BG/BRG Lerchenfeld
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Themenbereich: Fantasieerzählung

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Fantasieerzählung

Eine finstere Gestalt und eine Heldin, die man nie vergessen würde

Es war tiefste Nacht. Der Himmel war so schwarz, als wäre der helle Himmel des Tages Papier, das sich abends mit verschütteter Tinte vollgesogen hatte. Eine finstere Gestalt schlich durch den Wald auf ein kleines Haus zu. Ihre Absichten waren genau so dunkel wie die Gestalt selbst. Alles war still, bis auf die Blätter der Bäume, die leise im Wind rauschten, als erzählten sie den Sternen ihre uralten Geschichten.

Die Tür schwang auf. Die Gestalt trat ein und sah sich um. Die Hütte schien von innen noch winziger als von draußen. Es gab nur ein einziges Zimmer, in dem ein Bett stand. In einer Ecke gab es noch eine kleine Küche. Die dunkle Gestalt ließ ihren Mantel zu Boden gleiten und kramte in einer der Manteltaschen herum. Sie schien etwas zu suchen und als sie nicht das fand, was sie suchte, fluchte sie leise. Sie schritt in die Küche und öffnete mit fliegenden Fingern die Besteckschublade. Sie zog ein langes, scharfes Messer heraus, das in der Dunkelheit blitzte. Ein hässliches Grinsen erschien auf dem mit Ruß eingeriebenen Gesicht. Die Gestalt ging zu dem Bett. Eine Frau schlief darin. Sie hatte ihre Arme fest um ein kleines Kind geschlungen. Die Gestalt zögerte. Auch sie war nicht durch und durch grausam. Aber ihr Meister hatte es befohlen. Während die Gestalt noch zögerte, sprang die Frau plötzlich auf und versuchte nach dem Eindringling zu schlagen, doch dieser wich immer wieder aus. Die Frau, deren Name Maria war, stürzte sich auf die Gestalt. Diese schrie auf und als ihr Hut zu Boden fiel, glänzten feuerrote Augen blutrünstig. Maria erstarrte und in dem Moment stach ihr die Gestalt das Messer in die Brust. Blut sprudelte hervor und die Frau war auf der Stelle tot. Die Gestalt setzte ihren Hut auf und schnappte sich das Kind, das nun verzweifelt schrie. Draußen stampfte das Pferd der Frau nervös. Es spürte die Angst und roch das Blut. Die Gestalt rannte nach draußen und sprang auf das Pferd. Das war einfacher, als zu Fuß zu gehen. Doch als sie eine Weile geritten waren, ertönte ein schauriges Heulen hinter ihnen. Die Gestalt zuckte zusammen und trieb das Pferd an, doch sie drehte sich nicht um. Aber sie wusste genau, was da hinter ihnen war. Das Kind hörte auf zu weinen und seine Augen wurden groß. Die Gestalt seiner Mutter schwebte hinter ihnen her und griff mit bleichen Fingern nach dem Verbrecher. Er schauderte. Plötzlich sahen die Bäume wie Menschen aus, die ihre Finger nach ihm ausstreckten. Sie kratzen ihn und zerrten ihn fast vom Pferd. Der Geist der Frau erwischte ihn schließlich am Ärmel und zischte: „Du hast mich umgebracht. Jetzt musst du sterben!“ Sie griff in seine Brust und sein schwarzes Herz stand still.

Später wurde das Kind gefunden und die Frau begraben. Der Vater, der an diesem Tag nicht da gewesen war, nahm dem Toten das Messer ab und versteckte es in einer Box. Das Kind, es war ein Junge, war zu jung, um das alles zu verstehen, aber der Vater würde ihm die Geschichte irgendwann erzählen und ihm das Messer zeigen, das als Erinnerung an seine Mutter geblieben war. Dann wäre seine Mutter zumindest in dieser Erinnerung eine Heldin. Stark und stolz, wütend auf den Eindringling, der ihr Kind gestohlen hatte, wie in dieser schrecklichen Nacht.

Emma Rodiga, 2a (2018)