BG/BRG Lerchenfeld
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Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur

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SchülerInnen der Klassen 7a und 7b des BG/BRG Lerchenfeld Klagenfurt präsentieren:

Entwürfe für ein Werk der Erinnerung im ehemaligen Gestapo-Hauptquartier in Klagenfurt

Bei einem „antifaschistischen Stadtspaziergang“ mit Frau Mag. Dr. Nadja Danglmaier erhielten die Klassen 7a und 7b und wir begleitende Lehrpersonen Einblick in die Erinnerungskultur des Landes Kärnten. Unter anderem erfuhren wir, dass das ehemalige Gestapo-Hauptquartier Kärnten in der ehemaligen Burg in Klagenfurt untergebracht war, am Gebäude aber bis heute keinerlei Hinweise zu finden sind.

So entstand die Idee, ein Denk-Mal für diesen Platz zu entwickeln.

Hintergrundinformation über Denkmalkultur im deutschsprachigen Raum bildete in Bildnerischer Erziehung die theoretische Basis, um zu erkennen, welche Möglichkeiten Künstler bisher in Betracht zogen, um sich diesem Thema zu nähern. Dabei stellt der Umgang mit öffentlichem Raum, Klischees, mit Vorurteilen, vorbelasteten Zeichen und mit der Instrumentalisierung der „Opfer“ für politische und militärische Zwecke ein zentrales Problem dieser Aufgabenstellung dar.
In Kleingruppen wurden eigenständige Überlegungen und Ideen gesammelt und in Fotocollagen bildlich umgesetzt.
Mag. Elisabeth Kallos/Bildnerische Erziehung
Diplompädagogin Helga Jusner/Bildnerische Erziehung
Mag. Albert Pulferer/Philosophie

Wir finden Krieger-Denkmäler in Österreich auf jeden Fall hinterfragenswert, da sie ausschließlich die gefallenen „Helden“ ehren. Dies finden wir aus aufklärerischen Gründen nicht akzeptabel, deswegen stehen wir mehr auf der Seite der Mahnmale gegen Krieg und Verbrechen, da diese das Ziel verfolgen zu ermahnen und zu erinnern.
Phillip Preyhaupt, Marco Köster, Pascal Gebeneter 7b

Ich persönlich finde, dass man mehr an die unschuldig Getöteten und auch an deren Angehörige denken sollte. Ich finde Erinnerungsmale sind dafür eine sehr gute Investition, wenn sie gut gemacht werden und auch an öffentlichen Plätzen gebaut werden. Man sollte so viel Vertrauen in die Bürger haben, dass sie die Mahnmale nicht schänden oder zerstören.
Lisa Gerersdorfer, 7b

Ende des Abwehrkampfes gegen das Erinnern?

„Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren“, stand auf einem Transparent, das Hamburger Studenten anlässlich der Rektoratsübergabe an einen Professor mit Nazivergangenheit 1967 auf einem schwarzen Transparent den Feiernden entgegen hielten.

Was war geschehen? Irgendwie war es Zeit, dass eine Kontinuität endlich ihr verspätetes Ende finden würde, es waren zweiundzwanzig Jahre seit der Humankatastrophe vergangen, und immer noch gab es seltsame Kontinuitäten. Hochrangige Politiker waren Nazis gewesen und hatten es verstanden, ihre Vergangenheit zu verschleiern. Zu erwähnen wären hier Hans Filbinger in Baden Württemberg, BRD-Kanzler Kurt Georg Kiesinger und viele österreichische Politiker.

Der Fall des Uni-Professors Taras Borodajkewycz ist uns in Österreich in diesem Zusammenhang noch in guter Erinnerung.
http://derstandard.at/1363706495607/Eine-oesterreichische-Affaere

Allzu schnell war man in beiden Ländern zur Tagesordnung übergegangen. Das Buhlen der Parteien um Wähler führte hierzulande dazu, dass alle um die Ehemaligen warben und für ein Klima sorgten, in dem sich die Ehemaligen wohl und sicher fühlten.

Aus den Gefallenen des letzten Krieges hatte man schnell auf Kriegerdenkmälern Helden gemacht, die für das Vaterland gefallen wären und die immer wieder für verschiedene Zwecke instrumentalisiert wurden und werden, ohne dass je irgendjemand gefragt hätte, für welches Vaterland sie denn gefallen wären.

Die Zweite Republik stellte sich selbst als unschuldiges erstes Opfer der Nazidiktatur dar und fuhr mit dieser ihrer Lebenslüge gut bis in die Mitte der Achtziger. Erinnern war nicht angebracht, das hätte die Idylle gestört und das konstruierte kollektive Geschichtsbild schnell dekonstruiert.

Es bedurfte erst der Ereignisse rund um die Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten, bis zum ersten Mal ein Ruck durch diese Zweite Republik ging. In Auschwitz hat sich die Zweite Republik bis heute als ein Opfer dargestellt und es bedarf der Arbeit einer immer noch tätigen Kommission, bis sich das irgendwann in der Zukunft ändern wird.

In Klagenfurt gibt es gegenüber dem Theater ein in Schönbrunnergelb behübschtes ehemalig graues Haus, das nun Arztpraxen beherbergt und das zeitweilig auch ein Konsulat beherbergt hat. An diesem nun wieder schönen Palais Fugger erinnert keine Tafel daran, dass auch in diesem Haus einst die Gestapo gewütet hat.

Der auf diese Tatsache aufmerksam gemachte letzte Bürgermeister reagierte zunächst gar nicht auf eine entsprechende E-Mail, nach Reklamation bekam man zu lesen, dass das Haus in Privatbesitz sei und man eben nichts machen könne. Der Autor Alexander Widner hat unter anderem auch diesen Verhältnissen in seinem Roman „Kreitzberg“ ein Denkmal gesetzt.

Umso erfreulicher ist es, dass Klagenfurt nun einen Bürgermeister hat, der dem Erinnern positiv gegenüber steht, obwohl er aus einer Partei kommt, die üblicherweise nicht für das Erinnern zu gewinnen ist. Wir haben noch das Treffen von Präsident Fischer mit seinem slowenischen Kollegen Türk beim KZ Loibl im Gedächtnis, anlässlich dessen sich Landeshauptmann Dörfler wegen eines dringend nötigen Kurzurlaubs und Landesrat Uwe Scheuch wegen eines wichtigen Termins zum Bartgeierauswildern entschuldigt haben.

Den Opfern, die unschuldig oder im Widerstand gegen das Unrechtregime ums Leben gekommen sind oder ermordet worden sind, sind wir es schuldig, dass wir ihnen wenigstens die Erinnerung an ihre Namen und ihre Existenzen wieder zurückgeben.

Es bleibt zu hoffen, dass im Windschatten des Paradigmenwechsels im Umgang mit sexuellen Präferenzen auch ein Paradigmenwechsel im Abwehrkampf gegen das Erinnern stattfindet. Wir wollen darauf nicht noch weitere 70 Jahre warten!

Mag. Albert Pulferer