BG/BRG Lerchenfeld
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Gehirnentwicklung und Pubertät

Hirnforscher arbeitet mit pubertierenden Jugendlichen

In den Genuss mit einem der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands, Herrn Univ. Prof. Dr. med. Dieter F. Braus, einen höchst lehrreichen und spannenden Vormittag zum Thema „Gehirnentwicklung und Pubertät“ zu verbringen, kamen am 1. 6. 2012 alle Schüler und Schülerinnen der vierten und fünften Klassen, sowie der 7C Klasse.
Prof. Braus ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wiesbaden, Universitätsprofessor in Mainz, leitete namhafte Projekte, ist Experte in bildgebenden Verfahren, weilte einige Jahre für Forschungsaufenthalte an der Harvard Universität in Boston und führt Arbeiten mit SchülerInnen und ErziehernInnen seit Jahren sehr erfolgreich in Deutschland durch.
Initiiert wurde der jeweilige Expertenvortrag, getrennt für Schüler, Schülerinnen, Erzieher und Erzieherinnen, von Herrn Dr. Wolfgang Kranner, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie in St. Veit, sowie von Prof. Irmgard Biedermann. Als Kooperationspartner fungierten der Landesverband der Elternvereine, der Landesschulrat, die Pädagogische Hochschule, die Ärztekammer, die Direktion des Bachmann Gymnasiums und vor allem die Kärntner Gebietskrankenkasse, die dankenswerterweise die Kosten übernahm.
Die Entwicklung unseres Gehirns ist eine lebenslange Herausforderung. Umwelteinflüsse haben Auswirkungen auf die seelische Befindlichkeit und können zu Störungen wie Depressionen, Süchten oder Psychosen führen. Herr Professor Dr. Braus konnte den Schülerund Schülerinnen die Vorgänge im sich entwickelnden und pubertierenden Gehirn mit den Beziehungen zwischen dem „Spassgenerator“ (Nucleus accumbens), dem Hormonsystem (Hypothalamus), dem „Angstgenerator“ (Amygdala) und Gedächtnisvorgängen (Hippocampus) sehr verständlich darlegen. In der Pubertät werden eine unglaubliche Zahl von bereits bestehenden Nervenverbindungen (66%) gelöst („die Synapsendichte knallt herunter“). Dafür beginnt das Frontalhirn mit seinem Kontrollzentrum zu reifen. Da die dafür notwendigen Nervenverbindungen aus der frühesten und frühen Kindheit stammen und diverse Umwelteinflüsse, genauso wie genetische Aspekte, bedeutsam werden, weiters die vorhin genannten Gehirnteile ihre Sensitivität oft nicht synchron verändern, kommt es zu einem „Sturm im Gefühlsapparat“. Ganz besonders negativ wirkt sich in diesen sensiblen Jahren der Konsum von Giften wie Nikotin, Alkohol und Drogen aus. Da es im Gehirn keinen Weg zurück gibt und bleibende Veränderungen durch Inputs nicht nur aus dem Drogenbereich, sondern auch aus unpassendem und aggressivem Medienkonsum (sowohl inhaltlich, als auch zeitlich), schlechter Ernährung, mangelnder Bewegung, aus der Familie, aus dem soziokulturellen Umfeld, aus Mobbing... resultieren und bereits in kürzester Zeit bildlich dargestellt werden können, sollte ein sorgsamer und verantwortungsvoller Umgang mit Kindern und Jugendlichen oberste Priorität haben. Das Risikoverhalten in der Gruppe mit Gleichgesinnten ist 3x höher gegenüber einer Einzelperson, bereits nach 20 Zigaretten insgesamt ist die Leistungsfähigkeit des Gehirns dauerhaft verändert, Komasaufen führt zu Hirnschrumpfung. Die anwesenden Jugendlichen müssen sich dieser Tatsachen bewusst sein und selbst die Verantwortung dafür übernehmen! Sie können später nicht sagen, dass sie es nicht gewusst hätten! All die genannten Faktoren haben - neben der Veranlagung - Einfluss auf seelische Befindlichkeiten, auf Depressionen, Süchte, Psychosen und Demenz.
Herr Professor Braus macht den Jugendlichen auch einen anderen, besseren Weg schmackhaft: Natur, Bewegung, gesunde Lebensmittel, gesunder Schlaf, asiatische Kampfsportarten, Meditation, Erlernen von Musikinstrumenten, Tanz, Sozialkontakte... sind sehr gut geeignet, um am Ende der Pubertät (Männer mit 26 Jahren, Frauen mit 25 Jahren) das Maximum der Gehirnfunktionen zu erreichen.

In der Nachmittagsveranstaltung für Eltern, Lehrer/Innen, Erzieher/Innen an der Pädagogischen Hochschule mit dem Titel „Pubertät, das jugendliche Gehirn im Ausnahmezustand“ konnte Herr Professor Braus die neuronalen Vorgänge in den Gehirnen von Kindern und Jugendlichen und ihre Beeinflussbarkeit in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen noch ausführlicher erklären. Der exzellente Wissenschafter und zugleich hervorragende Rhetoriker weist in seinen spannenden Ausführungen auf die vielen Chancen und Möglichkeiten der wunderbaren jungen Menschen hin, sie sind die innovative Kraft einer Gesellschaft. Was in der Pubertät an „Kabelbäumen“ im Frontalhirn angelegt wird, was dabei an Fehlern passiert, wirkt ein Leben lang. Er verweist auf Risikofaktoren und auf positive Strategien im Umgang mit Kindern.
„Man sollte Pubertierende wie Rohdiamanten sehen, man muss sie entdecken, ihren Wert erkennen, sie mit Fassung tragen, sie schätzen und auch schützen“!(Dr. Braus)

Ein herzliches Dankeschön für sein Engagement rund um die Organisation der äußerst gelungenen Veranstaltung ergeht an Herrn Dr. Wolfgang Kranner, an die Kärntner Gebietskrankenkasse für die Kostenübernahme, an Herrn Univ. Prof. Dr. Dieter Braus für die Bereicherung unseres Wissens, an den Elternverein mit Frau Gertrud Kalles-Walter und die anderen Kooperationspartner der KGKK!

Mag. Irmgard Biedermann

Gehirnforschung
Das Team der KGKK (Dr. Helgard Kerschbauer, 3. v. l.),
HR. Dir. Mag. Walter Kuchling, Univ. Prof. Dr. Dieter Braus, Prof. Mag. Irmgard Biedermann, Dr. Wolfgang Kranner

Dr. Dieter Braus
Herr Univ. Prof. Dr. Dieter Braus inmitten unserer begeisterten Schüler und Schülerinnen