BG/BRG Lerchenfeld
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Wie helfe ich mir bei Rechtschreibproblemen?

A) "Abwehrkämpfe", die sicher nicht helfen:

  • Schimpfe alleine oder im Chor mit deinen Eltern auf den "unfähigen Volksschullehrer". Du schiebst das Problem von dir und hast es entsorgt. Deine Situation wird sich dadurch allerdings nicht bessern. Dem Volksschullehrer, der es gut mit dir gemeint hat, weil er dir die Reife fürs Gymnasium bescheinigt hat, hast du jedenfalls Unrecht getan.
  • Schimpfe auf deinen Deutschlehrer im Gymnasium. Sag deinen Eltern, dass er dich nicht mag, dass er nicht erklären kann und dass ihn außer dir auch sonst niemand in der Klasse versteht. Schick deine Eltern gemeinsam in seine Sprechstunde, um diesem "unfähigen Menschenschinder" einmal ordentlich die Meinung zu geigen. Auch in diesem Falle hast du dein Problem entsorgt und einen "Sündenbock" für das Problem gefunden. Dem Deutschlehrer ist Unrecht geschehen, er ist auf deine ganze Familie aufmerksam geworden, hat mit dem Klassenvorstand, allen anderen Lehrern und selbstverständlich mit dem Direktor über euer Problem gesprochen. Die nächste Sprechstunde wird er sicher nicht mehr alleine bestreiten. Dein Problem ist keinesfalls kleiner geworden, weil du trotz aller Aufregung nicht besser liest oder schreibst. Das Gesprächsklima zum Lehrer wurde allerdings nachhaltig beeinträchtigt.
  • Eine Beschwerde beim Klassenvorstand oder beim Direktor kann auch nicht schaden, weil wir nach Meinung vieler Leute noch in einem hierarchisch gegliederten Obrigkeitsstaat leben und diese Herrschaften dem Lehrer jedenfalls den Marsch blasen werden. Es offenbart wenigstens dein Demokratieverständnis, das dann wohl so aussieht, dass du für dich demokratische Verhältnisse einforderst, sie anderen Menschen jedoch nicht gewähren willst.
  • Wenn all das nichts nützt, dann kannst du dich immer noch an eine Zeitung wenden. Zeitungen lieben es besonders in der Sauren-Gurken-Zeit (wenn es kaum etwas zu berichten gibt) über die Schule zu schreiben, in seltenen Fällen auch negativ.
  • In allen Fällen hast du dir mit Projektionen geholfen. Nach Anna Freud zählt die Projektion zu den Abwehrmechanismen der Angst. Typisch für die Projektion ist, dass ein ureigenes Problem nach außen (in eine andere Person) verlagert wird, um dort problemlos entsorgt, bekämpft oder gar geopfert zu werden. Dabei werden auf die Projektionsebene (auf die andere Person) immer eigene Eigenschaften projiziert. Niemals lösen Abwehrmechanismen allerdings das eigentliche Problem.

B) Ein Lösungsvorschlag: Miteinander schaffen wir´s!

  • Wenn du, deine Eltern und der Deutschlehrer sich gemeinsam daran machen, dein Problem lösen zu wollen, dann sollte es eigentlich gelöst werden können. Der Deutschlehrer wird wissen, dass er die Eltern nicht zu seinen Assistenten machen darf, weil diese berufstätig sind und wenig Freizeit haben. Mütter oder aber moderne Eltern leiden an einer Doppelbelastung, dem eigenen Beruf mit dem Haushalt und der Kindererziehung. Auch Schüler sind nur beschränkt belastbar. Vernünftige Deutschlehrer werden Eltern nicht belasten und ihre Schüler ebenfalls nicht stundenlang plagen.

C) Wie übe ich das Rechtschreiben?

  • Rechtschreibschwäche ist ein ziemlich komplexes Problem aber keine Krankheit! Eine Krankheit "hat" man, ein Problem kann man lösen. Rechtschreibschwäche wird leider allzu oft als Krankheit gesehen, ja als Schicksal akzeptiert. Zu oft hören Lehrer Sätze wie: "Mein Kind wird leider nie Rechtschreiben können, weil es eine Rechtschreibschwäche hat!" Allzu oft konnten wir glücklicherweise Eltern vom Gegenteil überzeugen, weil es uns gelungen war, sie davon abzubringen, das Problem als Schicksal zu sehen.
  • Uns ist dabei aufgefallen, dass Kinder mit Rechtschreibproblemen nicht genau genug hinhören, nicht genau genug hinsehen und sich mit falsch geschriebenen Wörtern zufrieden geben. Rechtschreibschwache lesen sehr oft sehr schlecht. Sie nehmen Wörter gar nicht richtig wahr. Weil sie es noch nicht können, müssen sie es schnellstens richtig lernen. Dazu taugt lautes Lesen. Spätestens jetzt werden sich die Eltern beschweren und uns zu verstehen geben, dass sie das Gestammel ihrer Kinder nicht hören wollen. Müssen sie auch nicht. Denn das Kind spricht seine täglichen halbstündigen lauten Leseübungen auf ein billiges Tonbandgerät (ca. 300.- bis 600.- ATS). Wer schlecht liest, hört sich selbst gar nicht . Die Überraschung durch das Feedback (das Kind hört sich vom Tonband) wird sicher ein Motivationsschub sein und das Unternehmen unterstützen. Für die Eltern bleibt einzig und allein die Stichprobenkontrolle. Tonbänder wären zu kontrollieren, zu löschen und wieder zur Verfügung zu stellen. Auch Lesestoff müsste angeschafft werden.
  • Das richtige Schreiben wird in Diktaten geübt. Wieder brauchen die Eltern keine Angst vor dem Verlust der kostbaren Freizeit zu haben. Ihr Kind spricht den Diktattext auf Tonband (Das Gerät haben Sie bereits gekauft!) und schreibt ihn vom Tonband ab. Anschließend nimmt das Kind den Diktattext (Übungsbuch) in die Hand und vergleicht Satz für Satz, Wort für Wort, Silbe für Silbe und notfalls Buchstabe für Buchstabe mit dem geschriebenen Text. Wörter, die falsch geschrieben wurden, werden farbig markiert und in eine Fehlerwörterkartei oder in ein Fehlerwörterheft wie folgt eingetragen.

Zeitwörter:

laufen laufe lief gelaufen
Infinitiv (Nennform) Wörterbuchform infinite Form 1. Stammform, 1. Person (ich), Einzahl (Singular), Präsens (Gegenwart), finite Form (bestimmte Form) 2. Stammform, 3. Person (er, sie, es), Einzahl (Singular), Präteritum (Mitvergangenheit), finite Form (bestimmte Form) 3. Stammform, Partizip II (Mittelwort der Vergangenheit), infinite Form (unbestimmte Form)
aufgeben
anzünden
einbinden
umladen
brennen
sein
lesen
gebe auf
zünde an
binde ein
lade um
brenne
bin
lese
gab auf
zündete an
band ein
lud um
brannte
war
las
aufgegeben
angezündet
eingebunden
umgeladen
gebrannt
gewesen
gelesen

Hauptwörter (Nomen):

das Haus
1. Fall (Nominativ), Einzahl (Singular)
die Häuser
1. Fall (Nominativ), Mehrzahl (Plural)
das Rad
die Semmel
der Atlas
die Räder
die Semmeln
die Atlanten

Eigenschaftswörter (Adjektive):

Viele Eigenschaftswörter lassen sich steigern.

gut Grundstufe (Positiv) besser Mehrstufe (Komparativ) am besten Meiststufe (Superlativ)
viel
schön
mehr
schöner
am meisten
am schönsten

Alle anderen Adjektive werden in der Form, in der sie im Wörterbuch stehen, ins Fehlerheft eingetragen!

Grammatikfehler werden in Ganzsätzen verbessert. Ins Fehlerheft kommen die richtigen Regeln.
Ein Beispiel:

Das oder dass?

das (Artikel) Ihm folgt als nächstes oder übernächstes Wort ein Hauptwort (Nomen), das in Geschlecht (Genus), Zahl (Numerus) und Fall (Kasus) dem Begleiter gleich ist.
das (Relativpronomen) In der Einsetzprobe kannst du das bezügliche Fürwort "das" durch das Relativpronomen "welches" ersetzen.
das (Demonstrativpronomen) In der Einsetzprobe kannst du das hinweisende Fürwort "das" durch die Demonstrativpronomen "dieses" oder "jenes" ersetzen.
dass (unterordnendes Bindewort) Einsetzproben waren bereits erfolglos. Das Wort ist auch kein Artikel, aber es leitet einen Gliedsatz ein.
  • Solche Einträge machst du zunächst in eine eigenen Rubrik "Grammatikfehler". Erst wenn du dich in der Grammatik ein wenig auskennst, differenzierst du alphabetisch. Im Fehlerheft oder in der Fehlerwörterkartei hast du nämlich einen alphabetischen Index. Fehlerwörter werden in Fehlerwörterdiktaten (Tonbandgerät, Selbstkorrektur) geübt.
  • Wird ein altes Fehlerwort in drei aufeinander folgenden Fehlerwörterdiktaten richtig geschrieben, so darf es feierlich aus der Fehlerwörterkartei gestrichen werden.
  • Im Idealfall finden sich im Fehlerwörterheft oder in der Fehlerwörterkartei nur noch durchgestrichene Fehlerwörter. Das Üben hat dann ein Ende.
  • Selbstverständlich werden alle gemachten Fehler ins Fehlerwörterheft oder in die Fehlerwörterkartei eingetragen. Das gilt nicht nur für die Hefte aus dem Deutschunterricht. Du bemühst dich ab nun, in allen Gegenständen richtig zu schreiben. Das bist du dir als Gymnasiast schuldig!
  • Schulübungen werden richtig von der Tafel abgeschrieben, zur Verfassung der Hausübungen wird das Wörterbuch verwendet. (Auch Deutschlehrer kommen bei ihren Korrekturen nicht ohne das Wörterbuch aus!)
  • Fremdkorrektur (Korrektur durch den Lehrer/ Korrektur durch die Eltern) wird nach und nach durch die Selbstkorrektur ersetzt. Das Ziel aller Bestrebungen ist die zu erreichende Selbstständigkeit.
  • Korrekturen durch Lehrer oder Eltern sind im Grunde kontraproduktiv. (Was wäre der Lehrer ohne meine Fehler? Er braucht sie wie der Hund die Wurst! Das ist ein echter Teufelskreis, der das Selbstständigwerden verhindert.)
  • In Verbesserungen werden die richtig geschriebenen Fehlerwörter dreimal richtig untereinander geschrieben. Das hat nichts mit alten Drillmethoden zu tun, das macht sehr wohl Sinn. Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass möglichst alle Sinne am Unternehmen Lernen beteiligt werden sollen. Beim Üben werden der Augensinn, der Gehörsinn (wenn du dir die Übungen selber diktierst), die Sprechwerkzeuge und die Motorik der Hand bemüht. Das dreimalige Untereinanderschreiben hat den Sinn, dass du die Richtigschreibung vor Augen hast und sie dir einprägen kannst. Bei Verbformen werden selbstverständlich die Formen gebildet, wie das oben im Beispiel gezeigt wurde.
  • Beherzigst du unsere Tipps, so wirst du dir viele Aufregungen ersparen. Deine Eltern sparen Freizeit und Geld für teure Nachhilfe. Sie investieren in eine Fehlerwörterkartei (A6) oder in ein Fehlerwörterheft, in ein billiges Tonbandgerät (Stereogerät ist nicht nötig!), in einige Übungshefte (Vorschlag: Quartformat) und in Übungsbücher zur Rechtschreibung. Wir sparen uns Vorschläge für Übungsbücher außerhalb des Regelunterrichtes, weil wir der Meinung sind, dass du mit diesen Büchern arbeiten musst und du sie dir deshalb am besten selber aussuchen solltest. Ein Ausflug in eine gute Buchhandlung sollte dir also nicht erspart werden.
  • Rechtschreiberfolge stellen sich nicht von heute auf morgen ein. Du wirst dich in Geduld üben müssen. Auch nach einem unerwarteten Erfolg solltest du das Üben nicht aufgeben, andernfalls wirst du mit Rückschlägen rechnen müssen.
  • Erster Grundsatz: Jeder ist für sein Lernen selbst verantwortlich! Wenn jemand nicht lernen will, dann kann ihm auch von niemandem etwas "beigebracht" werden! Gegen die geistige Empfängnisverhütung ist kein Kraut gewachsen.
  • Das Rechtschreiben ist ein individuelles Problem. Es sollte daher auch einer individuellen Lösung zugeführt werden. Andere Schüler machen andere Fehler und sollten daher diese üben. Im Unterricht wird also auf die allgemeinen aktuellen Probleme der Rechtschreibung eingegangen, geübt wird allerdings daheim.
  • Lesen lernt man durch das Lesen. Gymnasiasten sollten bereits Leser sein. Wenn sie das noch nicht sind, sollten sie es schnellstens werden. Wir meinen, dass Zehnjährige über zwanzig Bücher im Jahr lesen sollten. Auch Zeitungen, Zeitschriften und Comics sind akzeptable Lesestoffe.
  • Wie das Lesen lernt man auch das Schreiben nur durch das Schreiben. Vielleicht denkst du an die Einführung eines Tagebuchs. Mit einer guten Füllfeder macht das Schreiben richtig Spaß. Außerdem liegen schöne Handschriften stark im Trend. Vielleicht wünschst du dir zum nächsten Schenkanlass eine schöne Füllfeder. Solche mit goldener Feder schreiben sich besonders gut und kosten nicht unbedingt ein Vermögen. Viele Händler bieten auch eine Namengravour an. Wer viel schreibt, entwickelt seine Handschrift, er schreibt flüssiger und runder. Eine gute Handschrift wirkt immer noch Wunder und gilt vielfach noch als Wettbewerbsvorteil. (Der letzte Schrei ist die digitalisierte Handschrift für den eigenen Computer.)

Created by Albert Pulferer