BG/BRG Lerchenfeld
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WOZU brauchen wir RELIGION (als Fach)?

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„AHA, diese gelben H-Zeichen entlang des Lendkanals sind also die Wegzeichen für den HEMMA-Pilgerweg nach GURK... ich dachte immer, das wären Zeichen für die Triathlonläufer... " teilte mir vor kurzem erfreut und „erleuchtet" eine Schülerin mit, als ich der Klasse relig. und Pilgersymbole erklärte.

Gespräche wie diese freuen mich besonders, weil sie mir am Ende meiner langen Unterrichtstätigkeit zeigen, wie wichtig "Religion" als humanistisches Fach immer noch/wieder ist um größere Zusammenhänge unseres Lebens zu verstehen.

In einer Schul-Zeit, in der das Ziel der Bildung zunehmends mehr darauf hinaus läuft, sich in möglichst kurzer Zeit immer mehr spezialisiertes Wissen, das durch multiple choice bei Standards und bei der Zentralmatura abrufbar und überprüfbar sein soll, anzueignen, kommt ein wesentlicher Aspekt der Bildung, nämlich die Persönlichkeitsbildung und die Entwicklung zu einer sozialen Persönlichkeit mit seelischen und kreativen Fähigkeiten, zu kurz. Bedingt durch Leistungsstress und Zeitdruck bleiben kaum Raum und Zeit, die großen Zusammenhänge unserer christl. geprägten europ. Kulturgeschichte zu erahnen und zu erfassen/verstehen.

In meiner Unterrichtstätigkeit als röm. kath. Religionsprofessorin, die ich mit diesem Schuljahr (wegen Pensionierung) beende, war es mir wichtig, ein BEWUSSTSEIN zu schaffen für die Erkenntnis, dass das Christentum eine kulturstiftende und kulturprägende Religion und Kraft ist.
In Kärnten, dem "Land der 1000 Kirchen" (eine preisgekrönte ORF-Dokumentation) können wir sowohl materielles UNESCO-Kulturerbe (z.B. der Dom zu Gurk) bestaunen als auch Teile des immateriellen Kulturerbes (z.B. der Jakobspilgerweg) erahnen. Durch Besichtigungen der Dome zu Klagenfurt, Maria Saal und Gurk versuchte ich, den SchülerInnen eine TÜR in diese mystische, künstlerisch einzigartige Welt zu öffnen – verbunden mit Meditations- und Gemeinschaftserfahrungen bei "meditativen Ausgängen, beim „Pilgern" und bei Orientierungstagen.
Es war mir wichtig, konkretes christl. Kulturwissen (z.B. die wichtigsten Kirchen in Klagenfurt, Wallfahrtskirchen und Pilgerwege) zu vermitteln, was auch auf großes Interesse bei SchülerInnen aller Altersstufen stieß, da es ihnen ihre Berührungspunkte mit Religion bewusst machte.
Den BLICK zu öffnen für die Zusammenhänge zwischen Religion und Bildender Kunst, Musik, Literatur und auch modernem Film war mir ein großes Anliegen.
Um die grossen Werke der Renaissance in Rom und den Museen der Welt zu verstehen braucht man ebenso eine Ahnung von den archaischen Bibelerzählungen von Abraham, Moses, Josef und seinen Brüdern wie für das Verständnis der religiösen Krimis von Dan Brown ("der Da Vinci Code", "Illuminati") und deren Verfilmung.
Erlösungsmythen und Messiasbegriffe finden sich in Filmen wie "Herr der Ringe" u.a., apokalyptische Szenarien aus der Geheim. Offenbarung sind nicht nur Inspirationsquelle für Hollywood-Filme, sondern auch für Künstler wie Ernst Fuchs, dessen "phantastisch realistisch" gestaltete Taufkapelle in der Stadtpfarrkirche wir gemeinsam mit den Schülern der 7. Klasse betrachtet und studiert haben.

Wie sehr unsere christl. Kultur auch unsere Feiertags- und Ferieneinteilung prägt erstaunte die Unterstufen–SchülerInnen immer wieder! Wer weiss schon noch, dass die Weihnachts-, Oster- und Pfingstferien ursprünglich zur Feier der relig. Anlässe von Geburt, Tod und Auferstehung Jesu und Sendung des Hl. Geistes freigegeben wurden wie auch für die Feier von Christi Himmelfahrt und Fronleichnam, Feste, denen wir die verlängerten Wochenenden im Mai/Juni verdanken!

Die Beschäftigung mit konkreten Wirkungsfeldern der kath. Kirche am Beispiel der Caritas sensibilisierte nicht nur die Kinder der Unterstufe für die sozialen und psychischen Notfälle von Menschen in unserem Land, sondern auch OberstufenschülerInnen für aktuelle Themen wie die Flüchtlingsproblematik durch Workshops der Young Caritas. Dabei wurde der Blick für die grossen sozialen Zusammenhänge der Welt ebenso geschärft wie beim Thema "Bewahrung der Schöpfung" und Verantwortung für die Umwelt, was auch durch die kreativ gestalteten Plakate sichtbar gemacht werden sollte und als Nachdenkimpuls für andere diente.
Erst durch Information wird bewusst (gemacht) mit welch großem sozialen Engagement die Kirche den Menschen in allen Krisensituationen (von Armutsbekämpfung, Behindertenbetreuung, über Suchtberatung bis zu Odachlosenheim u. Trauerbewältigung) begleitet.

In vielen Gesprächen und konkreter psychologischer Information fanden Lebensthemen wie „Einanderkennenlernen“ (Kennenlerntag für die 1.Klassen), Gemeinschaftsbildung und soziales Lernen durch Kommunikationsregeln und Konfliktlösungslernen ebenso ihren Platz im Religionsunterricht wie die Themen Freundschaft, Liebe, Sexualität, Ehe und Familie, die Frage nach den Werten und nach dem Sinn des Lebens. MaturantInnen haben mir immer wieder mitgeteilt, wie wichtig diese Stunden für ihre Lebensgestaltung waren.

Durch konkrete Erlebnisse wie Gottesdienste, meditative Feiern (z.B. Erntedankfeier), zu den wichtigen Festen und meditative Ausgänge zu den religiösen "Schätzen" (z.B. Kreuzberglkirche) wollte ich erfahrbar und erlebbar machen, welche lebensstärkende Kraft in unserer christlich geprägten Kultur spürbar sein kann.

DANKEN möchte ich herzlich allen SchülerInnen, die offen waren für meine Impulse und „Lern-Angebote“, die mich durch ihr Interesse und ihre positiven Rückmeldungen immer wieder zu neuen Ideen angeregt haben, sodass ich bis zuletzt mit grosser Leidenschaft und Liebe zu den Schülern KATH. RELIGION unterrichtet habe.

DANKEN möchte ich auch allen SchülerInnen, Eltern und KollegInnen, die mir im Rahmen der Schülerberatung, die ich 15 Jahre lang mit viel Engagement (päd. Elternabende, Kollegenfortbildung SCHILF) ausgeübt habe, ihr persönliches Vertrauen geschenkt haben und meine Anregungen in die Tat umgesetzt haben. Leider war es damals schulintern und strukturell noch nicht möglich meine Konzepte zu sozialem Lernen, Peer-Mediation und Peer-Coaching, Kommunikation und Konfliktmanagement in der Schule zu verwirklichen!
Erfreulich ist, dass diese pädagogisch psychologischen Aspekte in den letzten Jahren verstärkt als wichtig erkannt wurden und so wünsche ich unserer Schule weiterhin eine so gute Entwicklung, in der auch eine ganzheitliche Perönlichkeitsbildung für Körper, Geist und Seele Platz hat.

Mit herzlichen Grüßen Prof. Mag. Edeltraud Tschauko

PS: Obwohl ich als Lehrerin in Pension gehe, trete ich nicht in den "Ruhestand", sondern werde die gewonnene Zeit nützen um wieder in meinem Zweitberuf als Psychotherapeutin tätig zu sein.
Ich freue mich darauf, Erwachsene in Lebensfragen beraten und begleiten zu dürfen, sei es in der Erziehungs- oder Beziehungsberatung. Gerne gebe ich mein Wissen und meine Lebenserfahrung zum Thema „Persönlichkeitsbildung“ und anderen Lebensthemen in Vorträgen und Seminaren weiter.
Auf ein Wiedersehen mit Euch/Ihnen freu ich mich ebenso!